Die Folge zum Lesen
Ein Medikament wirkt selten nur an der Stelle, für die es gedacht ist. Ulrike Beeckmann erklärt mit einem einfachen Bild, was im Körper bei der Einnahme passiert, warum Nebenwirkungen entstehen und weshalb die Tablette allein oft nicht reicht. Dabei geht es auch um Ihre eigene Verantwortung und um die Psyche.
Ihre Verantwortung nach der Apotheke
Der Arzt verschreibt, die Apotheke gibt das Medikament mit Hinweisen ab. Sobald Sie die Apotheke verlassen, sind Sie selbst für die richtige Einnahme und Dosierung verantwortlich. Das gilt besonders im Straßenverkehr. Manche Schmerzmittel, die im Gehirn ansetzen, können müde machen. Wer sie morgens nimmt und trotzdem Auto fährt, trägt bei einem Unfall die Verantwortung allein, und das kann auch bei der Versicherung Folgen haben.
Ihr Rat: Lesen Sie den Beipackzettel. Nicht jede einzelne Nebenwirkung, aber die Hinweise zur Fahrtüchtigkeit und zur Bedienung von Maschinen und Geräten.
Der Körper als Getriebe aus Zahnrädern
Der Körper besteht aus unzähligen Zahnrädern, die ineinandergreifen. Laufen alle rund, ist man gesund. Schmerz zeigt sich manchmal an einer ganz anderen Stelle als dort, wo er entsteht. Läuft ein Zahnrad nicht mehr richtig, etwa weil Leber oder Bauchspeicheldrüse durch fettes Essen und Übergewicht überlastet sind, hilft ein Medikament, es wieder anzuschieben. Es bewegt aber oft auch andere Zahnräder mit, zum Beispiel am Herzen oder in der Muskulatur. So entstehen Nebenwirkungen wie Muskel- oder Nervenschmerzen.
Deshalb sollten Sie sich bei einer neuen Einnahme selbst beobachten. Ein Arzneimittel ist meist nur ein Anschub. Dazu gehört, den Lebensstil zu ändern: die Ernährung anzupassen und sich mehr zu bewegen, wenn das möglich ist. Auch wer nach einer Herz-OP dauerhaft Medikamente braucht, kann seinem Körper zusätzlich Gutes tun. Der Körper kann viel ausgleichen. Wer aber einfach weiterlebt wie bisher, braucht bald das nächste Medikament.
Die Psyche wirkt mit
Die Seele steuert viel im Körper, im Guten wie im Schlechten. Manche Asthmatiker mit Pollenallergie bekommen schon beim Anblick eines Bildes mit Gräsern oder Blumen einen Anfall. Zur Gesundheit gehören daher auch Freundschaften, Lachen, moderater Sport, Yoga, Handarbeiten oder mentales Training.
Ulrike Beeckmann bezieht sich hier auf Siegfried Buchholz und seine Gedanken zu Kosten und Nutzen. Ein Mensch hat zwar einen Nutzen, aber was ihn ausmacht, ist sein Wert. Dieser Wert geht nie verloren, auch nicht bei Jobverlust oder Krankheit. Wer das verwechselt, kann zum Beispiel in einen Burnout geraten. Sie betont: Wir müssen uns umeinander kümmern.
Medikamente verbrauchen Nährstoffe
Viele Arzneimittel lassen den Körper bestimmte Vitamine und Mineralstoffe schneller verbrauchen. Zwei Beispiele aus der Folge:
- Magensäureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol verändern den pH-Wert im Magen-Darm-Trakt. Vitamin B12 wird dann schlechter aufgenommen, ein Mangel ist kaum zu vermeiden. B12 sollte deshalb ergänzt werden.
- Bei Statinen gegen hohes Cholesterin fehlt Coenzym Q10. Nach Aussage der Apothekerin haben Menschen über 40 ohnehin oft zu wenig davon.
- Als Basis empfiehlt sie Vitamin C und Vitamin D, danach die B-Vitamine.
Höhere Dosierungen bitte nur nach Absprache mit der Apotheke.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach der Abgabe sind Sie für Einnahme und Fahrtüchtigkeit selbst verantwortlich.
- Medikamente wirken auch an anderen Stellen im Körper, beobachten Sie sich.
- Eine Tablette ersetzt keine Änderung des Lebensstils.
- Manche Arzneimittel erhöhen den Bedarf an Vitaminen, zum Beispiel B12 oder Q10.


