Die Folge zum Lesen
Eine Tablette schlucken, das klingt einfach. Doch wann, womit und zusammen mit welchen anderen Mitteln Sie ein Medikament einnehmen, entscheidet mit darüber, ob es so wirkt, wie Ihr Arzt es möchte. Eine perfekte Einnahme für alle gibt es nicht, aber ein paar Grundregeln helfen weiter.
Die Uhrzeit zählt
Schilddrüsenhormone werden im Mikrogrammbereich dosiert, und die Schilddrüse reagiert schon auf kleinste Mengen. Deshalb gehören sie zum Aufwachen auf den Nachttisch, mit einem Glas Wasser daneben. Im Sitzen eingenommen sind sie das Erste, was Sie morgens zu sich nehmen. Im Liegen sollten Sie sie nicht schlucken. Schwierig wird es, wenn zusätzlich ein Säureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol vor dem Frühstück dazukommt. Wer früh zur Schicht muss, hat dafür kaum Zeit. Hier hilft die Apotheke, eine Reihenfolge zu finden, bei der jedes Mittel trotzdem wirkt.
Auch Kortison nehmen Sie am besten morgens. Der Körper schüttet sein eigenes Hormon früh am Morgen aus. Kommt die Tablette erst mittags oder nachmittags, merkt der Körper das und bildet am nächsten Morgen weniger eigenes Kortison. Das ist nicht der Sinn der Behandlung.
Womit und wann zum Essen
Das beste Getränk für Tabletten bleibt Wasser. Grapefruitsaft wird über dasselbe Enzym abgebaut wie viele Medikamente. Ist das Enzym mit dem Saft beschäftigt, kann das Medikament nicht richtig verstoffwechselt werden. Auch die Trinkmenge spielt eine Rolle: Bei manchen Tabletten ist etwas mehr, bei anderen etwas weniger Wasser richtig.
Ob vor, zum oder nach dem Essen, ist ebenfalls entscheidend. Das eine Antibiotikum nimmt man besser vorher, das andere besser danach. Eisenpräparate gehören normalerweise auf nüchternen Magen. Wer davon Magenprobleme bekommt, nimmt sie zum oder nach dem Essen. Etwas Vitamin-C-Haltiges dazu ist günstig, Grapefruitsaft aber nicht.
Der Grund liegt im Verdauungstrakt: Im Magen ist es sauer, im Dünndarm herrscht ein anderer pH-Wert. Manche Tabletten haben eine Hülle, die sich erst im Dünndarm lösen soll. Nimmt man sie zusammen mit einem Säureblocker, kann sich die Hülle schon im Magen öffnen. Dann zerstört die Säure einen Teil des Wirkstoffs, und es kommt weniger im Dünndarm an.
Abstände und rezeptfreie Fallen
Bei Antibiotika ist der Abstand zwischen den Einnahmen wichtig. Sinkt der Wirkspiegel zu stark, vermehren sich die Bakterien schnell wieder. Auf die Minute genau kommt es aber nicht an. In der Apotheke bekommen Sie Tipps, wie Sie den Abstand im Alltag einhalten.
Auch rezeptfreie Mittel sind nicht automatisch harmlos. Manche Schlafmittel wirken in geringerer Dosis gegen Übelkeit. Wer abends eine solche Schlaftablette nimmt und morgens vor einer Schiffsreise ein Mittel gegen Reiseübelkeit mit ähnlicher Wirkweise, kann so müde werden, dass er kaum noch etwas mitbekommt.
Die Pille danach
Ulrike Beeckmann liegt ein Punkt besonders am Herzen: Die Pille danach verschiebt vor allem den Eisprung. Hat der Eisprung schon stattgefunden, hilft sie nicht mehr. Dann ist der Frauenarzt die richtige Adresse. Die Vorstellung, man könne ungeschützt Sex haben und danach einfach eine Pille nehmen, hält sie für gefährlich. Ähnlich sieht sie Abnehmpillen oder die Abnehmspritze: Einfach weitermachen wie bisher und etwas einnehmen, so funktioniert es nicht. Als Apothekerin sieht sie es als ihre Aufgabe, solches Wissen weiterzugeben. Sie entscheidet nicht, welches Medikament jemand bekommt, hilft aber dabei, es richtig einzunehmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Schilddrüsenhormone direkt nach dem Aufwachen im Sitzen nehmen, Kortison am Morgen.
- Tabletten am besten mit Wasser einnehmen, nicht mit Grapefruitsaft.
- Vor, zum oder nach dem Essen sowie die Kombination mit Säureblockern beeinflussen die Wirkung.
- Auch rezeptfreie Mittel können sich gegenseitig verstärken. Fragen Sie in der Apotheke nach.

