Die Folge zum Lesen
Endometriose betrifft nach Angaben aus der Folge etwa 8 bis 15 Prozent aller Mädchen und Frauen. Trotzdem vergehen oft Jahre, bis die Diagnose steht. Ulrike Beeckmann erklärt, was hinter der Erkrankung steckt, wie sie behandelt wird und was Betroffene ergänzend zur ärztlichen Therapie selbst tun können.
Was bei Endometriose passiert
Die Gebärmutter ist innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, dem Endometrium. Sie baut sich im Monatszyklus auf, damit sich ein Embryo einnisten kann. Nistet sich keiner ein, wird sie wieder abgestoßen. Das ist die Monatsblutung. Gesteuert wird dieser Kreislauf hauptsächlich von den Hormonen Östrogen und Progesteron.
Bei Endometriose wächst ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutterschleimhaut. Häufig sitzen diese Herde in der Muskulatur der Gebärmutter, in der Eileiterwand, an den Eierstöcken oder im Raum zwischen Gebärmutter und Enddarm. Seltener findet man sie in Blase, Darm oder Lunge. Auch diese Herde bauen sich im Zyklus auf und ab. Blut und Gewebereste können dort aber nicht abfließen. Sie bleiben im Gewebe, können Entzündungen auslösen und dadurch Narben und Verwachsungen.
Ursachen und Beschwerden
Die Ursachen werden noch erforscht. Fest steht, dass das Zusammenspiel der Hormone gestört ist und auch das Zusammenspiel von Hormonen und Immunsystem nicht richtig funktioniert. Normalerweise verhindert das Immunsystem, dass sich Zellen eines Organs anderswo festsetzen. In manchen Familien tritt Endometriose gehäuft auf. Ob das an den Genen liegt oder zum Beispiel an der Ernährung, ist nicht sicher.
Wie Fibromyalgie ist Endometriose ein Chamäleon: Die Beschwerden hängen davon ab, wo die Herde sitzen. Möglich sind unter anderem:
- Unterbauch- und Rückenschmerzen, oft im Rhythmus des Zyklus
- Zwischenblutungen und Blutungen aus Darm oder Blase
- Blähungen, Durchfall oder Verstopfung
- Unfruchtbarkeit, etwa wenn Herde an den Eierstöcken sitzen
- starke Müdigkeit und Erschöpfung durch die ständigen Entzündungen
Manchmal kann die Frauenärztin die Herde als kleine Knötchen ertasten, aber nicht immer. Mit der Zeit können außerdem Nervenfasern in die Herde einwachsen. Dann können schon kleine Verwachsungen sehr starke Schmerzen verursachen.
Die ärztliche Behandlung
Herde lassen sich operativ entfernen. Weil sie aber häufig wiederkommen, wird meist nur operiert, wenn ein Organ nicht mehr richtig arbeitet. In Absprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt kommen Hormone infrage: zum Beispiel die Pille ohne Pause, damit sich die Schleimhaut gar nicht erst aufbaut, oder ein reines Gestagen wie Progesteron. Reicht das nicht, gibt es sogenannte GnRH-Agonisten. Sie unterdrücken die Östrogenbildung in den Eierstöcken, versetzen den Körper damit aber gewissermaßen in die Wechseljahre, mit möglichen Folgen wie Hitzewallungen oder Osteoporose. Diese Abwägung gehört in ärztliche Hand.
Gegen Krämpfe kann zusätzlich Butylscopolamin helfen, das die glatte Muskulatur entspannt. Magnesium kann die Entspannung der übrigen Muskulatur unterstützen.
Was Sie selbst tun können
Regelmäßige, moderate Bewegung setzt entzündungshemmende Botenstoffe frei und stärkt Herz und Kreislauf. Gemeint ist kein Marathon, sondern zum Beispiel Joggen oder Schwimmen, so dass es noch Spaß macht. Hilfreich sind auch Entspannungsübungen wie Feldenkrais, Beckenbodenübungen und leichte Gymnastik. Dazu kommt eine entzündungshemmende Ernährung, etwa mit Blick auf das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Ihr Rat: Fragen Sie Ihre Frauenärztin auch nach pflanzlichen Mitteln, die die Therapie begleiten können.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe an Stellen, wo es nicht hingehört.
- Die Beschwerden sind vielfältig, deshalb dauert die Diagnose oft Jahre.
- Operation und Hormontherapie gehören in ärztliche Hand.
- Moderate Bewegung, Entspannung und entzündungshemmende Ernährung können ergänzend helfen.


