Die Folge zum Lesen
Schlafstörungen gehören zu den Themen, nach denen Ulrike Beeckmann am häufigsten gefragt wird. Je nach Quelle ist ein Drittel bis 70 Prozent der Menschen betroffen. Wer schlecht schläft, fühlt sich nicht nur unwohl: Auf Dauer können daraus zum Beispiel Depressionen oder Bluthochdruck entstehen.
Was im Schlaf passiert
Schlaf ist mehr als „Augen zu“. Im Schlaf laufen wichtige Erholungs- und sogar Lernprozesse ab. Hormone werden auf- und abgebaut, auch der Zuckerstoffwechsel hängt davon ab, wie gut und tief man schläft. Der Schlaf folgt dabei einem festen Ablauf: Nach dem Einschlafen kommt eine Leichtschlafphase, dann ein mitteltiefes Stadium und schließlich der Tiefschlaf. Danach folgt die etwa zehnminütige REM-Phase, die Traumphase, in der sich die Augen schnell bewegen. Ein solcher Durchgang dauert rund 90 Minuten und wiederholt sich in der Nacht mehrmals.
Junge Menschen haben mehr Tiefschlaf und längere REM-Phasen, weil ihr Körper im Wachstum viele neue Zellen und Hormone aufbauen muss. Ältere Menschen brauchen davon etwas weniger. Wer immer wieder aus dem Tiefschlaf geweckt wird, etwa Ärzte im Nachtdienst oder Mütter von Säuglingen, kann sich deshalb regelrecht desorientiert fühlen.
Was den Schlaf stört
Die Schlafphasen lassen sich leicht durcheinanderbringen. Vieles davon hat mit dem Lebensstil zu tun:
- Bildschirme von Computer und Fernseher am Abend: Ihr blaues Licht bremst die Ausschüttung der Einschlafhormone.
- Regelmäßig viel Alkohol: Man schläft zwar ein, aber der Schlaf ist nicht erholsam.
- Spätes, schweres Essen, das den Stoffwechsel belastet.
- Große Mengen Kaffee kurz vor dem Schlafen, etwa um noch zu lernen.
- Psychische Belastungen und Stress, auch Stress am Tag.
Daneben gibt es organische Ursachen, zum Beispiel Atemstörungen bei Lungenerkrankungen, Restless Legs oder Narkolepsie. Dann ist der Arzt gefragt. In der Apotheke klärt Ulrike Beeckmann deshalb zuerst mit vielen Fragen, woher die Probleme kommen und ob sie selbst helfen kann.
Die innere Uhr
Gegen 6 Uhr steigen Blutdruck und Cortisol, Melatonin sinkt, und wir werden wach. Gegen 15 Uhr ist die Reaktionszeit am schnellsten, gegen 18 Uhr sind Blutdruck und Muskelkraft am höchsten. Ab etwa 21 Uhr steigt Melatonin wieder an. Dann sollten Sie das Licht dimmen und Displays ausschalten. Um Mitternacht wird am meisten Somatotropin ausgeschüttet, ein Wachstumshormon, das auch beim Fettabbau und beim Blutzucker hilft. Deshalb ist Schlaf vor Mitternacht so wertvoll. Über den Tag sammelt sich außerdem Adenosin an, besonders bei Bewegung, und macht abends müde. Gesteuert wird alles von einem zentralen Taktgeber im Gehirn, dem Nucleus suprachiasmaticus.
Was Sie selbst tun können
Stehen Sie möglichst jeden Tag zur selben Zeit auf. Bewegen Sie sich und gehen Sie ins Tageslicht, zum Beispiel mit einem halbstündigen Spaziergang am Morgen. Ein Mittagsschlaf kann den Nachtschlaf stören, das ist aber individuell. Entspannung vor dem Einschlafen hilft, ob Feldenkrais, Yoga, Beten oder feste Rituale.
In der Apotheke gibt es viele pflanzliche und homöopathische Mittel, etwa mit Baldrian, Melisse, Passionsblume, Lavendel oder Johanniskraut, außerdem Melatonin. Ob Melatonin sinnvoll ist, hängt vom einzelnen Menschen ab. Frei verkäuflich ist auch der chemische Wirkstoff Doxylamin, stärkere Mittel verschreibt der Arzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Schlafzyklus dauert etwa 90 Minuten und wiederholt sich mehrmals pro Nacht.
- Bildschirme, viel Alkohol, Kaffee und spätes Essen am Abend stören den Schlaf.
- Feste Aufstehzeiten, Tageslicht und Bewegung fördern guten Schlaf.
- Bei organischen Ursachen gehört die Behandlung zum Arzt.


