Zum Inhalt springen

Musik und Gesundheit

November 2023 25:49 Min. hören 3 Min. lesen

Auf Spotify

Die Folge zum Lesen

Musik kann beruhigen, anregen und glücklich machen. Sie wirkt auf das vegetative Nervensystem, also den Teil des Nervensystems, den wir nicht bewusst steuern. Ulrike Beeckmann, selbst seit ihrer Kindheit am Klavier, erklärt, was Musik im Körper bewirkt, und betont, dass vieles davon auch persönlich geprägt ist.

Wie Musik auf Herz und Stimmung wirkt

Ruhig gehörte Musik, die man als angenehm empfindet, senkt Herzfrequenz und Blutdruck. Sie verringert Stresshormone, und es wird mehr Dopamin ausgeschüttet, das glücklich macht. Bei Operationen kann Musik von Mozart oder Bach im Hintergrund, wenn der Patient das wünscht, den Anästhesisten das Einleiten des Schlafs erleichtern und die Herzfrequenz niedrig halten. Auch ruhige Tanzmusik, etwa im Walzertakt, kann dem Herz-Kreislauf-System guttun.

Welche Musik als angenehm gilt, hängt von Herkunft und Elternhaus ab. Am heilsamsten ist nach dem, was man liest, die klassische Musik. Sie heilt keine Knochenbrüche, beruhigt aber das Nervensystem, sodass Heilungsprozesse besser ablaufen. Als Richtwert nennt Ulrike Beeckmann etwa 78 Minuten Musik am Tag.

Welche Stücke wofür

Besonders empfohlen werden Bach, Mozart, Händel, Corelli, Albinoni und Tartini. Einige Beispiele aus der Folge:

  • Bei Herz-Kreislauf-Beschwerden: Bachs Air, seine Fugen und die Brandenburgischen Konzerte, Händels Wassermusik, das Adagio von Corelli
  • Für die Konzentration: die schnelleren Sätze aus Bachs Englischen und Französischen Suiten, Toccata und Fuge d-Moll, Beethovens Klavierkonzert Nr. 4, Haydns Sinfonie Nr. 94
  • Zur Entspannung: Bachs Goldberg-Variationen, Beethovens Mondscheinsonate, Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-Moll

Auch einzelnen Frequenzen werden Wirkungen zugeschrieben. Sie berichtet, dass 528 Hertz bei der Reparatur der DNA helfen und 432 Hertz die Gehirnhälften synchronisieren soll, was Kreativität und Konzentration fördere. Ein einzelner Ton heilt allerdings nicht einfach, betont sie. Dass Musik so wirkt, erklärt sie damit, dass jede Zelle schwingt, und das nur gut, wenn wir genug trinken. Westliche Musik empfinden wir zudem als angenehm, weil sie mathematisch logisch aufgebaut ist: Eine Oktave besteht aus zwölf gleichmäßigen Halbtonschritten.

Kinder, Gemeinschaft und Lautstärke

Kinder, die früh viel Musik hören, haben oft ein gutes Zahlengefühl. Wer ein Instrument spielt, ist laut Untersuchungen meist eine Note besser und neigt weniger zu Aggressionen. In Newcastle ging der Vandalismus in U-Bahnhöfen deutlich zurück, seit dort klassische Musik statt Popmusik läuft. Selbst zu musizieren wirkt auf das Gehirn noch stärker als bloßes Zuhören.

Wichtig ist die Lautstärke. Eine Zunahme um 10 Dezibel empfinden wir als doppelt so laut. Vogelgezwitscher hat etwa 50, ein Gespräch 60, ein Staubsauger 70 Dezibel. Ab etwa 85 Dezibel, wie bei Straßenlärm, wird es unangenehm. Viele hören über Kopfhörer mit 95 Dezibel. Über längere Zeit schadet das dem Gehör und auch dem Gehirn.

Zwei Erlebnisse

Ihre Kinder hörten am Klavierspiel durch die geschlossene Tür, ob ihre Mutter traurig, fröhlich oder wütend war, auch beim selben Stück, allein am Anschlag. Und als ihr Sohn als Einjähriger nach einer Operation auf der Intensivstation lag, weinten er und ein anderer Säugling vor Schmerzen. Ihr Vater stellte leise ein Radio mit Klassik an. Bei Beethovens Violinkonzert beruhigten sich beide Babys sofort. Ihr Sohn liebt das Stück bis heute. Musik verknüpft sich eben mit Erlebnissen, oft für Jahrzehnte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ruhige, angenehme Musik senkt Herzfrequenz, Blutdruck und Stresshormone.
  • Klassik, besonders Bach und Mozart, gilt als besonders wohltuend.
  • Kopfhörer nicht zu laut stellen: Dauerhaft 95 Dezibel schaden dem Gehör.
  • Selbst musizieren, singen und tanzen tut Kindern und Erwachsenen gut.