Die Folge zum Lesen
Schimmel in der Wohnung ist nicht nur ein Problem für Wände und Möbel. Er kann Augen, Haut und Atemwege reizen und bis zu Allergien und Asthma führen. Mehrere Kundinnen und Kunden haben Ulrike Beeckmann gebeten, das Thema aus pharmazeutischer Sicht zu erklären.
Wie Schimmel entsteht
Schimmelkeime und Schimmelsporen gibt es überall. Das ist zunächst nicht schlimm. Krank machen können sie erst, wenn zwei Dinge zusammenkommen: ein Nährboden wie Tapete, Holz oder Teppichboden und ausreichend Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum. Liegt die Luftfeuchtigkeit in Räumen lange bei 60 Prozent, lässt sich Schimmel kaum noch vermeiden.
Wenn Schimmel sichtbar wird, meist als kleine dunkle Flecken, etwa in einer Ecke im Bad, ist er oft schon länger da. Deshalb sollten Sie auch kleine Stellen schnell behandeln. Sonst siedeln sich Bakterien und andere Mikroorganismen darauf an. Dann entsteht der pelzige Belag in Gelb, Weiß oder Blau, und das Einatmen wird richtig gesundheitsschädlich. Über die Raumluft verbreiten sich die Sporen weiter, und der Befall wächst.
Was Schimmel mit dem Körper macht
Ein erstes Warnzeichen kann ein beißender Geruch sein. Oft ist Schimmel aber auch geruchlos. Körperlich zeigt er sich zunächst durch Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen. Wer sich länger aussetzt, kann eine Bronchitis bekommen, bis hin zu Asthma oder ausufernden Allergien. Der Grund: Für das Immunsystem sind Schimmelsporen fremde Eiweiße. Muss es sich ständig damit auseinandersetzen, ist es irgendwann überfordert.
Anfangs treten die Beschwerden meist nur in den befallenen Räumen auf und gehen draußen, etwa beim Spaziergang im Wald, wieder zurück. Bleibt der Schimmel unbehandelt, werden sie dauerhaft.
Ihr Tipp: Wenn Sie plötzlich mehr Allergien, Bronchitis oder asthmaähnliche Beschwerden haben, sagen Sie in Arztpraxis und Apotheke, ob Sie umgezogen sind oder Feuchtigkeit in der Wohnung hatten oder vermuten. Dann kann der Arzt gezielter suchen, und die Beratung in der Apotheke fällt anders aus.
So beugen Sie zu Hause vor
- Halten Sie die Wohnung möglichst trocken und lüften und heizen Sie regelmäßig.
- Die Raumtemperatur sollte mindestens 16 Grad betragen und in allen Räumen möglichst gleich sein.
- Achten Sie auf kühle Stellen, etwa hinter Schränken an ungedämmten Wänden oder in ungeheizten Abstellräumen. Dort kondensiert Feuchtigkeit leicht.
- Messen Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer. Es gibt preiswerte digitale Uhren mit eingebautem Messgerät.
- Schimmelt die Erde von Zimmerpflanzen, ist es zu feucht.
Zu trocken sollte die Luft aber auch nicht sein. Das schadet den Schleimhäuten und auch Holz und Musikinstrumenten wie einem Klavier. Wie so oft gilt das Mittelmaß.
Das Immunsystem stärken
Ein perfektes Wohnklima erreicht man nie. Mal regnet es beim Lüften, mal ist es im Sommer zu trocken, mal ist eine Ecke im Bad befallen. Etwas bekommt das Immunsystem also immer ab. Ulrike Beeckmann rät deshalb, es gut zu trainieren: mit Mineralstoffen und Vitaminen, Bewegung an der frischen Luft und genügend Wasser. Denn wer erst krank ist, braucht oft schon den Arzt und stärkere Medikamente. Auch ein gutes Miteinander mit anderen Menschen ist für das Immunsystem wichtig.
Das Wichtigste in Kürze
- Schimmel braucht einen Nährboden und längere Zeit zu viel Feuchtigkeit.
- Auch kleine Schimmelstellen sollten schnell behandelt werden.
- Bei neuen Atemwegsbeschwerden oder Allergien in Arztpraxis und Apotheke auf mögliche Feuchtigkeit in der Wohnung hinweisen.
- Regelmäßig lüften und heizen, mindestens 16 Grad halten und die Luftfeuchtigkeit messen.

