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Alarm im Darm

März 2024 15:10 Min. hören 3 Min. lesen

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Unreine Haut, Akne oder ein fahler Teint haben oft mehr mit dem Bauch zu tun, als man denkt. Darm und Haut hängen eng zusammen, Fachleute sprechen von der Darm-Haut-Achse. Wer das versteht, kann seine Haut auch von innen unterstützen.

Zwei Organe mit gleichem Ursprung

Der Dickdarm gehört zu den am dichtesten besiedelten Orten überhaupt: Pro Gramm Darmwand leben dort rund eine Billion Mikroorganismen, etwa Bifidobakterien und Laktobazillen. Auch die Haut ist dicht besiedelt. Auf ihren rund zwei Quadratmetern leben etwa so viele Mikroben, wie es Menschen auf der Erde gibt. Beide Organe entstehen im Mutterleib zudem aus derselben embryonalen Grundschicht. Ulrike Beeckmann erklärt damit, warum Hautärzte auch nach der Ernährung fragen sollten. Studien zeigen, dass Menschen mit Problemhaut oft eine veränderte Darmflora haben.

Wie Darm und Haut miteinander sprechen

Wie die Achse genau funktioniert, ist noch nicht geklärt. Man weiß aber, dass das Immunsystem sie zu verbinden scheint. Die Darmflora, die ein bis zwei Kilogramm wiegen kann, steht ständig im Austausch mit den Immunzellen. Dieses Training regt Abwehrstoffe an und kommt der Haut zugute. Das Immunsystem wirkt wiederum auf das Nervensystem, und das Nervensystem beeinflusst die Durchblutung der Haut. Ein Beispiel: Wer sich aufregt, bekommt schnell einen roten Kopf. Die Haut erzählt also von unseren Gewohnheiten, Gefühlen und unserem Gleichgewicht.

Ist die Darmflora gestört, ist auch die Darmbarriere verändert. Giftstoffe gelangen dann leichter ins Blut. Nach Einschätzung von Ulrike Beeckmann haben wir in den Industriestaaten durch Ernährung und Lebensstil etwa 40 Prozent der Vielfalt der Darmflora verloren. Nützliche Keime fehlen, schädliche nehmen überhand. Verdauung, Entgiftung und Immunabwehr laufen dann nicht mehr optimal. Auch Antibiotika und andere Medikamente können die Darmflora verändern. Wie stark, hängt vom Mittel und der Einnahmedauer ab. Hier lohnt die Nachfrage in Apotheke oder Arztpraxis.

Was der Haut von außen schadet

Neben der natürlichen, genetisch bedingten Hautalterung gibt es äußere Faktoren, die man beeinflussen kann:

  • falsche Pflege, etwa das Gesicht mit Kernseife waschen, was die Haut austrocknet
  • Sonnenbrand, aber auch zu wenig Sonne
  • Schlafmangel, zu viel oder zu wenig Essen und nährstoffarme Kost
  • Stress
  • zu wenig Wasser, denn ohne reines Wasser kann der Körper Stoffwechselabfälle nicht gut ausscheiden

Futter für die guten Darmkeime

Wer mit Problemhaut kämpft, sollte deshalb nicht nur die Haut pflegen, sondern auch das Wachstum der nützlichen Darmkeime fördern. Wichtig sind lösliche Ballaststoffe aus Obst, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten, besonders aus fast vergessenen Sorten wie Schwarzwurzeln, Pastinaken und Topinambur. Sie lassen Kohlenhydrate langsamer ins Blut gehen, ernähren die Darmkeime und wirken bei Verstopfung wie bei Durchfall ausgleichend. Bitterstoffe aus Artischocke, Endivie oder Chicorée regen Leber und Galle an. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut fördern die Verdauung. Menschen mit Histaminintoleranz sollten sie allerdings meiden.

Ihr Rat: von allem etwas, aber nichts im Übermaß. Gemüse schonend dämpfen oder garen, gut kauen, sich Zeit zum Essen nehmen. Ausdauersport verbessert die Durchblutung des Darms und verkürzt die Gärungszeit. Bewegungsmangel ist ein Grund, warum heute so viele Menschen unter Blähungen leiden. Für die Schleimhaut nennt sie die Vitamine A und B2, Niacin und Biotin. Vitamin C unterstützt die Bildung von Kollagen. Die Vitamine C und E schützen die Haut vor oxidativem Stress, etwa durch UV-Strahlen. Zudem bildet die Darmflora nach ihren Worten Hyaluronsäure, die die Haut praller wirken lässt. Bei Präparaten mit Darmbakterien gibt es sehr unterschiedliche Zusammensetzungen, hier ist Beratung sinnvoll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Darm und Haut sind über das Immunsystem eng verbunden.
  • Eine gestörte Darmflora kann sich als Problemhaut zeigen.
  • Lösliche Ballaststoffe, Bitterstoffe, viel reines Wasser und Bewegung stärken die Darmflora.
  • Bei Histaminintoleranz besser auf fermentierte Lebensmittel verzichten.